Wasserpflanze des Jahres

Neuigkeiten

2016

Der Flutende Wasserhahnenfuß ist Wasserpflanze des Jahres

lies mehr...

Wasserpflanze 2016

Flutender Wasserhahnenfuß

Wasserschlauch
(Utricularia spp.)



Wasserschlauch (Utricularia sp.)
(Quelle: H. Frei)

Obwohl sie doch relativ unscheinbar und auch unbekannt ist, so ist die Gattung Utricularis mit ihren 220 Arten die artenreichste Gattung der fleischfressenden Pflanzen. Wasserschlaucharten können ein- oder mehrjährig sein und erreichen mit wenigen Ausnahmen eine maximale Wuchshöhe von 30 cm.






Beschreibung

Utricularia australis

Der Südliche Wasserschlauch (Utricularia australis R. Br.) bildet keine Wurzeln.
(Quelle: G. Fritz)

Wasserschlaucharten besitzen meist keine echten Wurzeln. Sie flottieren frei im Wasser. Einige Arten, die in fließenden Gewässern vorkommen, bilden Rhizome aus um sich am Grund verankern zu können. Eine echte Unterscheidung zwischen Blatt und Spross kann nicht gemacht werden. Als Blatt werden daher alle flächigen, grünen Teile der Pflanze bezeichnet.
An den Blättern, Rhizoiden und Stolonen sitzen kleine ca. 3 mm große Fangblasen, die als Saugfallen dienen. Es werden chemische Lockstoffe ausgeschieden um kleinere Tiere anzulocken. Im Inneren wird ein Unterdruck von etwa 0,14 bar erzeugt. In der Nähe der Fallenklappe befinden sich feine Fühlhaare. Werden diese gereizt, wird innerhalb von 2 Millisekunden die Fallklappe geöffnet und das Tier wird in die Falle gesogen. Die Klappe schließt sich wieder. Drüsenhaare im Inneren scheiden Verdauungsenzyme wie Esterasen, Phosphatase und Protease ab.
Die Blütentraube des Südlichen Wasserschlauchs ist ca. 20 cm hoch und leicht gebogen. Sie trägt bis zu 12 gelbe Blüten. Die Blüten sind zweilippig, die ausgebreitete Unterlippe ist kürzer als die obere Lippe. Der Sporn ist etwa 6 mm lang.
Selbstbestäubung ist nicht selten. So kann man kleistogame und chasmogame Blüten an einem Blütenstand finden: geschlossene Blüten, in denen gezielt Selbstbestäubung stattfindet, als auch offene Blüten, an denen Fremd- oder Selbstbestäubung vorkommen kann.

Lebensraum und Verbeitung

Utricularia

Der Wasserschlauch ist ein Cosmopolit.
(Quelle: H. Frei)

Der Südliche Wasserschlauch hat ein großes Verbreitungsgebiet. Er kommt mit Ausnahme des hohen Nordens in ganz Europa vor, ist über den afrikanischen Kontinent verbreitet, wächst im temperierten und tropischen Asien, aber auch auf Australien, Neuguinea und Neuseeland.

In Mitteleuropa findet man ihn in stehenden und langsam fließenden Gewässern. Dabei bevorzugt er nährstoffarme (oligotrophe) Gewässer und ist seltener in nährstoffreicheren zu finden. Da er sowohl in sauren als auch basischen Lebensräumen zu finden ist, lebt er auch in Torfstiche und Moorschlenken.

Ökologie

Blüte

Die gelben Blüten ragen oft aus dem Wasser (Quelle: G. Fritz).

Der Wasserschlauch ernährt sich neben der Energiegewinnung durch Photosynthese, von kleinen Tieren wie Wasserflöhe, Rädertierchen und Fadenwümer. Aber auch Einzeller wie Wimpertierchen und Algen. Werden größere Tiere erbeuten, z. B. Stechmückenlarven, kann das zum Absterben der Falle führen.
In temperierten Klimazonen stirbt der Wasserschlauch im Herbst ab. Er bildet kurze Sprossen, sogenannte Winterknospen (Turione), die am Boden liegend überwintern und im Frühjahr wieder austreiben.

Gefährdung

Blüte

Blütentraube des Wasserschlauchs (Qulle: H. Frei).

Alle sieben im mitteleuropäischen Raum vorkommenden Wasserschlaucharten sind gefährdet oder stark gefährdet. Insbesondere die Eutrophierung von Gewässern aber auch die Trockenlegung von Feuchtbiotopen hat zum Rückgang dieser Arten geführt.